Stromverteilung im Wohnmobil: vom Sicherungskasten zur elektronischen Sicherung
Die Stromverteilung entscheidet, wie sicher, übersichtlich und wartungsfreundlich die 12V- oder 24V-Elektrik in deinem Wohnmobil ist. Klassisch besteht sie aus Sicherungskasten, Relais und Schaltern. Moderne Systeme fassen das in einem Gerät mit elektronischen Sicherungen zusammen, das jeden Verbraucher einzeln schaltet, absichert und misst. Dieser Artikel erklärt den Aufbau, vergleicht beide Wege und zeigt, worauf du bei einem Sicherungsmodul achten solltest.
So ist ein 12V-Bordnetz aufgebaut
- Aufbaubatterie: die Energiequelle für alles im Wohnbereich.
- Hauptsicherung: direkt am Pluspol. Sie schützt das dicke Hauptkabel bei einem Kurzschluss. Bei Lithium-Batterien braucht sie ein ausreichendes Abschaltvermögen, zum Beispiel eine MRBF-, NH- oder Class-T-Sicherung.
- Batterietrennschalter: schaltet die gesamte Anlage stromlos, etwa zum Arbeiten oder Einlagern.
- Verteilung: Hier wird der Strom auf die einzelnen Stromkreise aufgeteilt, jeder mit eigener Sicherung.
- Verbraucher: Licht, Wasserpumpe, Kühlschrank, Lüfter, Heizung, Ladebuchsen.
- Minus-Sammelschiene: führt alle Minusleitungen zurück zur Batterie, bei einem Shunt über diesen.
Jedes Kabel braucht eine Sicherung, die zu seinem Querschnitt passt. Die Sicherung schützt das Kabel, nicht das Gerät. Welche Werte gelten, steht in Kabelquerschnitt und Absicherung im Camper.
Der klassische Weg: Sicherungskasten, Relais, Schalter
Im klassischen Aufbau steckt für jeden Stromkreis eine Flachsicherung im Sicherungshalter. Verbraucher, die viel Strom ziehen oder ferngesteuert werden sollen, bekommen ein Relais. Geschaltet wird mit Wandschaltern, gedimmt mit separaten Dimmern. Das funktioniert, hat aber Schwächen:
- Löst eine Sicherung aus, suchst du sie hinter der Sitzbank und brauchst eine passende Ersatzsicherung.
- Welcher Verbraucher wie viel zieht, weißt du nicht.
- Jede Erweiterung bedeutet neue Kabel, neue Relais, neue Schalter.
- Bei einem schleichenden Fehler, etwa einer Pumpe, die immer mehr Strom zieht, merkst du nichts, bis etwas ausfällt.
Der moderne Weg: elektronische Sicherungen
Eine elektronische Sicherung misst den Strom laufend und schaltet ab, wenn er zu hoch wird. Weil sie selbst ein Schalter ist, ersetzt sie gleichzeitig Sicherung und Relais. Die Vorteile im Alltag:
- Einstellen statt wechseln: Den Auslösewert legst du in der Oberfläche fest und änderst ihn bei Bedarf.
- Zurücksetzen per Fingertipp: keine Ersatzsicherung, kein Werkzeug.
- Charakteristik wählbar: flink für Elektronik, träge für Pumpen, Kompressoren und Motoren, die beim Einschalten kurz mehr ziehen.
- Messung je Ausgang: Du siehst Spannung, Strom und Leistung jedes Verbrauchers.
- Schutz vor Dauerfehlern: Wer immer wieder zurücksetzt, obwohl der Fehler bleibt, bekommt eine Zwangspause.
Mehr dazu in Elektronische Sicherungen: einstellen statt wechseln.
Klassisch oder elektronisch: der Vergleich
| Sicherungskasten mit Relais | Elektronische Stromverteilung | |
|---|---|---|
| Sicherung auslösen | Sicherung tauschen | Per Fingertipp zurücksetzen |
| Sicherungswert ändern | Andere Sicherung kaufen | In der Oberfläche einstellen |
| Verbrauch sehen | Nein | Ja, je Ausgang |
| Fernschalten | Nur mit zusätzlichem Relais | Eingebaut |
| Dimmen | Separater Dimmer | Bei geeigneten Ausgängen eingebaut |
| Spannungsschutz je Verbraucher | Nein | Ja |
| Erweitern | Neue Bauteile, neue Kabel | Freien Ausgang einrichten |
Worauf du bei einem Sicherungsmodul achten solltest
- Strom je Ausgang und gesamt: Reicht es für Kompressorkühlschrank und Wasserpumpe? Große Wechselrichter gehören mit eigener Sicherung direkt an die Batterie.
- Einstellbare Charakteristik: Sonst löst die Pumpe bei jedem Anlaufen aus.
- Messung je Ausgang: Erst damit siehst du, wohin der Strom geht.
- Eingänge für Wandtaster: Damit bleibt die Bedienung im Fahrzeug, auch ohne Handy.
- Verhalten nach einem Stromausfall: Kommen die Ausgänge in ihrem letzten Zustand zurück?
- 12V und 24V: Erkennt das Modul das Bordnetz selbst?
- Entwicklung und Prüfung: Elektronik, die Strom für das ganze Fahrzeug schaltet, sollte nach Fahrzeugstandards entwickelt sein.
Ampy: die Stromverteilung von Camper Jarvis
Ampy fasst Sicherungskasten, Relais, Dimmer und Strommessung für sechs Verbraucher in einem Gerät zusammen.
- 6 Ausgänge mit je 24A dauerhaft, kurzzeitig bis 32A, und 120A über alle Ausgänge zusammen.
- Elektronische Sicherung je Ausgang, Auslösewert frei einstellbar, Charakteristik flink, normal oder träge. Der Auslösewert darf den Höchstwert für den Querschnitt der Leitung zum Verbraucher nicht überschreiten.
- Messung von Spannung, Strom und Leistung je Ausgang.
- Dimmen an jedem Ausgang bis 5A.
- Wandtaster oder Wandschalter an jedem Ausgang. Sie schalten direkt am Modul.
- Hubdach und Markise: Zwei Ausgänge bilden ein Richtungspaar, beide Richtungen sind nie gleichzeitig an.
- Unter- und Überspannungsschutz je Verbraucher, damit du gestaffelt abschalten kannst.
- 12V und 24V automatisch erkannt.
- Anschluss: Versorgung an zwei M6-Schraubbolzen, Verbraucher in Hebelklemmen bis 4mm², Tasterleitungen in abziehbaren Federklemmen.
Nach einem Stromausfall stellt Ampy den letzten Zustand seiner Ausgänge wieder her. Wie Ampy angeschlossen wird, steht in Ampy anschließen.

Ein Ampy-Ausgang im Dashboard: schalten und live sehen, was die Wasserpumpe zieht.

Löst eine Sicherung aus, zeigt der SmartKnob sofort, welches Gerät betroffen ist.
Wichtig: Auch mit elektronischen Sicherungen braucht das Versorgungskabel zum Modul eine Sicherung an der Batterie, passend zu seinem Querschnitt. Und eine Dieselheizung schaltest du nie über ihre Stromversorgung ab, sie braucht ihren Nachlauf. Heizungen steuert bei Camper Jarvis Heaty über ihre Schnittstelle.
Und 230V?
230V-Verbraucher gehören nicht in eine 12V-Verteilung. Hier gelten eigene Regeln: FI-Schalter mit 30mA und ein Leitungsschutzschalter für jeden Stromkreis. Bei Camper Jarvis schaltet Switchy bis zu vier 230V-Kanäle mit bis zu 10A und erkennt fehlerhaften Landstrom. Warum jeder 230V-Kanal einen B10-Automaten braucht, steht in Warum bei 230V ein Leitungsschutzschalter B10 nötig ist. Arbeiten am 230V-Netz macht eine Elektrofachkraft.

Switchy prüft den Landstrom und zeigt Erdung und Polung an.
Welche Charakteristik für welchen Verbraucher?
| Verbraucher | Charakteristik | Warum |
|---|---|---|
| Wasserpumpe, Lüfter | Träge | Motor zieht beim Anlaufen kurz ein Vielfaches |
| Kompressorkühlschrank | Träge | Kompressor startet mit hohem Strom |
| Markise, Hubdach | Träge | Motor unter Last |
| Kleiner Wechselrichter | Träge | Kondensatoren laden beim Einschalten. Größere Wechselrichter kommen mit eigener Sicherung direkt an die Batterie und werden über ihren Fernschalt-Eingang geschaltet |
| LED-Streifen | Flink | Kaum Anlaufstrom, ein Stromanstieg ist fast immer ein Fehler |
| LED-Leuchten mit eingebautem Treiber | Normal | Ziehen beim Einschalten kurz einen Ladestrom |
| Sensoren, Steuergeräte | Flink | Reine Elektronik. Löst flink beim Einschalten aus, nimm normal |
| USB-Ladebuchsen | Normal | Eingangskondensatoren ziehen beim Einschalten kurz mehr |
| Unsicher | Normal | Die sichere Mitte |
Wie die Stromverteilung mit Batterie, Wasser und Heizung zusammenspielt, zeigt der Leitfaden Smart Home im Wohnmobil.
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